Mein Bauch ist ein Kunstwerk: Wie ich mentale Stärke entwickelte und lernte, meinem Körper zu vertrauen
- Julia Wöllner

- vor 15 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 24 Minuten
Über Narben, innere Stärke und das Vertrauen ins Leben
Es gibt Geschichten, die wir lange nur in uns tragen.
Weil sie sensibel sind. Weil sie tief gehen. Und irgendwann spüren wir:
Jetzt ist der Moment, sie zu teilen.
Dieser Artikel ist so eine Geschichte.
Meine Geschichte.
Diese Geschichte hat mein Leben geprägt. Sie hat meinen Blick auf meinen Körper verändert. Sie hat mich gelehrt, was mentale Stärke wirklich bedeutet. Und sie ist einer der Gründe, warum ich heute tue, was ich tue.

Ich bin Julia. Mentaltrainerin, Yogalehrerin, Wegbegleiterin. Und vor allem ein Mensch, der zutiefst davon überzeugt ist, dass unser Körper und unser Geist immer auf unserer Seite sind – selbst dann, wenn es sich zeitweise anders anfühlt.
Ich glaube daran, dass Gesundheit unser größtes Geschenk ist. Und dass wir oft erst beginnen, sie wirklich wertzuschätzen, wenn sie ins Wanken gerät.
Viele Menschen leben mit körperlichen oder mentalen Beschwerden, die sie nicht einordnen können. Sie fühlen sich nicht gehört, nicht ernst genommen oder allein mit ihren Fragen. Ich kenne dieses Gefühl. Und ich bin hier, um das zu verändern. Um Menschen zu zeigen, wie sie wieder in Kontakt mit ihrer inneren Welt treten können.
Meine Geschichte
Meine Geschichte beginnt früh. Sehr früh.
1996 wurde ich mit nur vier Jahren notoperiert. Ein Blinddarmdurchbruch, mehrere Eingriffe, ein Bauch, der offen heilen musste. Dinge, die man in diesem Alter nicht versteht, die sich aber tief im Körpergedächtnis verankern. Seit diesem Moment kenne ich meinen Körper nicht ohne Narbe. Sie war immer da und wurde zu einem Begleiter meines Lebens.
2007 folgten weitere Operationen. Verwachsungen, Schmerzen und immer wieder die Hoffnung, dass nun Ruhe einkehrt.
2013 geriet dieses Gefühl erneut ins Wanken. Ein großer Abszess im Bauchraum, mehrere Untersuchungen in verschiedenen Kliniken, und wieder wusste niemand, was ich habe. Bis ich kaum noch laufen konnte und ein weiteres MRT Klarheit brachte. Wieder eine schwere Operation. Monate, in denen mein Leben stillstand. Und ein Satz, der sich tief eingeprägt hat: Das kann theoretisch jederzeit wieder passieren.
Von diesem Moment an lebte ich viele Jahre mit einer unterschwelligen Angst. Jedes Ziehen im Bauch, jede ungewohnte Bewegung, jede Veränderung habe ich wahrgenommen und genau beobachtet.
Vertrauen in den eigenen Körper war nichts Selbstverständliches mehr.
Wenn Stress im Körper sichtbar wird
Was ich damals noch nicht wusste: Mein Körper reagierte nicht nur auf medizinische Ursachen, sondern auch auf Stress.
Immer dann, wenn ich über längere Zeit stark belastet war – durch hohe Arbeitsintensität, emotionale Themen oder innere Anspannung – wurde mein Unterbauch hart. Schmerzhaft. Empfindlich.
Ich hielt fest. Innerlich wie äußerlich. Ich ließ kaum los.
Und jedes Mal suchte ich aus Angst den Weg zum Arzt. Die Sorge, es könne wieder etwas Ernstes sein, war sofort da.
Heute weiß ich: Mein Körper sprach mit mir.
Mein Nervensystem war im Dauer-Alarmzustand. Anspannung wurde zur Grundhaltung. Und dieser Stress zeigte sich genau dort, wo mein sensibelster Bereich war: in meinem Bauch.
Ich verstand irgendwann: Mein Körper war nicht mein Gegner. Er war mein Frühwarnsystem.
Mentale Stärke entsteht in herausfordernden Momenten
Ich habe mir oft gesagt: „Ein weiteres Mal schaffe ich das nicht.“ Und genau dort begann mein Weg in die mentale Arbeit.
Ich begann mich intensiv mit Achtsamkeit, Nervensystemregulation und mentaler Stabilität zu beschäftigen, weil ich einen Weg finden musste, mit dieser Angst zu leben. Ich lernte, meinem Körper wieder zuzuhören. Ich lernte, Ängste wahrzunehmen und sie zu regulieren. Ich lernte, mir selbst Sicherheit zu geben.
Yoga wurde ein zentraler Bestandteil dieses Weges. Durch sanfte Dehnungen, Rückbeugen und bewusstem Atem durfte mein Bauch wieder weicher werden. Die Narben begannen sich zu bewegen. Ich spürte zum ersten Mal seit langer Zeit echte Entlastung.
Über die Bewegung hinaus lernte ich, mein Nervensystem zu regulieren. Atemarbeit, Achtsamkeit und mentale Techniken halfen mir, aus dem dauerhaften Alarmzustand herauszufinden. Ich begann zu verstehen, dass mein Körper nicht gegen mich arbeitete. Er kommunizierte. Und er brauchte Sicherheit. Diese Erfahrung hat mein Verständnis von Heilung grundlegend verändert.
Heilung bedeutet für mich nicht, dass alles verschwindet oder „wieder wie früher“ werden sollte. Heilung bedeutet, eine Beziehung zu meinem Körper aufzubauen. Ihm zuzuhören. Ihn ernst zu nehmen. Ihm zu vertrauen und ihm das zu geben, was er wirklich braucht.
Die sechste Operation und eine neue Erfahrung
Ich hatte lange gedacht, dass die Operation 2013 die letzte gewesen sei. Und dennoch kam sie. Die sechste Operation. Gleich zu Beginn des Jahres 2026.
Neue Verwachsungen hatten dazu geführt, dass Darm und Organe an der Bauchdecke verklebt waren. Die Schmerzen waren massiv. Die Verdauung funktionierte kaum noch. Mein Körper stand unter Dauerstress.
Ich war unsicher, weil die Befunde verschiedener Ärzte sich erneut widersprachen. Und gleichzeitig wusste ich, dass der richtige Weg eine weitere Operation sein würde. Sie war eine völlig andere Erfahrung als 2013. Vieles von dem, wovor ich jahrelang Angst hatte, trat so nicht ein. Mein Körper und mein Geist waren besser vorbereitet. Die innere Arbeit der vergangenen Jahre trug mich.
Wie stark wir wirklich sind
Ein Satz begleitete mich in diesen Tagen besonders:
„Wir merken erst, wie stark wir sind, wenn wir es wirklich sein müssen.”
Ich dachte lange, dass ich diese Situation kein weiteres Mal bewältigen könnte. Und dann stand ich da und tat es. Ruhig, präsent und klar. Und mit dem tiefen, vertrauensvollen Gefühl, dass ich das schaffen werde.
Stärke zeigte sich leise. In der Entscheidung, weiterzugehen. In der Bereitschaft, dem Moment zu vertrauen.
Mein Warum
Nach meiner letzten Operation, als bei einer Kontrolle die Verbände gelöst wurden, sagte ich beim Blick auf meine inzwischen 5 Narben:„Mein Bauch ist ein Kunstwerk!”
Dieser Satz kam einfach aus mir heraus. Und er fühlte sich so wahr an.
Jede Narbe erzählt vom Überleben. Von Anpassung. Von innerer Kraft. Von einem Körper, der immer wieder Wege gefunden hat, weiterzugehen. Ich liebe jede einzelne meiner Narben, die meinen Körper in Unperfektheit vollkommen macht.
Genau dafür stehe ich heute. Für innere Klarheit. Für mentale Stabilität. Für einen achtsamen, liebevollen und kraftvollen Umgang mit sich selbst.
Wenn du hier bist, dann vielleicht, weil du spürst, dass da mehr möglich ist. Mehr Ruhe. Mehr Vertrauen. Mehr Verbindung zu dir selbst.
Von Heilung zur Performance – was Spitzensport mich gelehrt hat
Was ursprünglich als Weg zurück in meinen Körper begann, entwickelte sich mit der Zeit zu etwas viel Größerem. Yoga war nicht mehr nur Therapie, sondern wurde zu meinem Lebensmittelpunkt. Ich begann zu verstehen, wie eng körperliche Praxis und mentale Stärke miteinander verbunden sind. Auf der Matte testete ich meine Grenzen aus, spürte meinen Körper intensiv und lernte, durch bewusste Atmung und Präsenz meinen Geist zu fokussieren. Es war nicht nur Bewegung – es war mentales Training.
Dabei wurde mir klar, dass echte Performance nichts mit permanentem Funktionieren zu tun hat. Wer Leistung bringen möchte – im Sport, im Beruf oder im Alltag – braucht Präsenz, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben. Genau das erlebe ich im Spitzensport immer wieder: Erfolgreiche Athletinnen und Athleten wissen, dass Regeneration kein Luxus ist, sondern Voraussetzung für Höchstleistung. Kraft entsteht nicht im Dauerstress, sondern im Wechsel zwischen Anspannung und bewusster Erholung.
Als ich 2020 den Schritt in die Selbstständigkeit ging, stellte ich mir die Frage, wer von diesem Verständnis profitieren würde. Schnell wurde mir klar, dass mentale Stärke nicht nur im Profisport entscheidend ist. Auch Führungskräfte, Unternehmen, Menschen mit Verantwortung, für sich, ihre Familie oder das Arbeitsumfeld, brauchen genau diese Verbindung aus Achtsamkeit, Körperbewusstsein und mentaler Klarheit.
Leistung und Selbstfürsorge schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer sich selbst ernst nimmt, wer lernt, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören und sich mit Verständnis begegnet, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
Heute weiß ich: Heilung und Performance gehören zusammen. Denn wahre mentale Stärke entsteht nicht durch Härte, sondern durch Bewusstsein.
Was diese Geschichte dir mitgeben darf
Vielleicht stehst du selbst an einem Punkt, an dem dein Körper dir etwas sagen möchte. Vielleicht fühlst du dich erschöpft, angespannt oder innerlich unruhig. Dann möchte ich dir sagen: Dein Körper arbeitet für dich. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt.
Meine Geschichte hat mir eines klar gezeigt: Der Körper spricht leise. Lange bevor er laut wird. Und wir dürfen lernen, seine Sprache wieder zu verstehen.

Mentale Stärke beginnt dort, wo wir bereit sind, zuzuhören. Langsamer zu werden. Unterstützung anzunehmen. Und neue Wege zu gehen.
Ich freue mich, wenn ich dich auf diesem Weg begleiten darf. Mein wöchentlicher Newsletter: Community Newsletter Mindset On Mein Podcast: FREEDOM TO GROW Mein Online-Programm Mountain Mindset: https://mountain-mindset.coachy.net/lp/mountain-mindset/












Inspirierende Geschichte und schön, deinen Weg kennen zu lernen.